Der Letzte macht das Licht aus

Dresden. 13.11.09
Heute keine Konferenz

Der Blogschmarren beleidigt die Intelligenz des Publikums im leider üblichen Durchschnittsfall als genau das schlechte Besondere, das von der Banalität der Gesamtheit aller vorhandenen Ansichtssachen (“Die einen sagen so, die anderen so”) nicht zu unterscheiden ist.
Dietmar Dath
Konsens oder Kompromiss?

"Altkanzlersteak" (Karte)
Currywurst an Rohkostsalat
I read the news today oh boy (Trauer in Düsseldorf)
Gerade erst via twitter erfahren:
Detlev Samland ist tot
In den Westfälischen Nachrichten dazu folgendes gelesen:
Oh boy!
Was heisst “Digitale Linke” (1): Lebensstile
Die digitale Linke ist nicht weiter fraglos in ein (politisches) Milieu hineingewachsen. Ihren Zusammenhalt und ihre Organisationsfähigkeit bezieht sie nicht (länger) aus der Kuh- und Brutwärme lebensweltlicher Verstrickungen sondern aus den Stärken schwacher Bindungen. Die digitale Linke ist vom Stamme der Digital Natives. Ihr Ortsverein ist das globale Dorf. Ihr Parteibuch ist ein Weblog.
Ihr Selbstverständnis bildet sich in den flüchtigen Medien eines globalen Kommunikationszusammenhanges nicht in den Initiationsriten des eigenen Stammes. Ihre eigene, postkonventionelle Identität als digitale Linke setzt dabei das „linke“ Maß für die Integrierbarkeit sozialer Verbände. Dazu braucht es eine funktionierende Öffentlichkeit und ein deliberatives Rechtssystem. Keine krampfhaft unverkrampften, alkoholschwangeren Fanmeilen.
Die digitale Linke eint sich punktuell um Themen und Werte. Ein vereintes Wesen ist sie nicht. Die Pluralität der Lebenstile in ihren Reihen ist ihr eine Selbstverständlichkeit. Sie hat es nicht nötig, wie die widerwärtigen Vertreter der Enkelgeneration im Maßanzug proletarisches Sprechen als Clownsnummer zu inszenieren, nur um Kontinuitäten zu beschwören, die längst unterbrochen sind.
Die ihnen vertrauten familiären Beziehungen folgen dem Strickmuster des Patchworks. Lebensplanung verläuft zufällig. Ihre Lebensläufe streben nach Vollendung im Hier-und-Jetzt, nicht auf alle Ewigkeit. Das macht sie unberechenbar und unempfänglich für die Boni karrieristischen Kalküls. Einem Leben ohne Sorgen ziehen sie die permanente Sorge um sich vor. Die Textur ihres Daseins gestalten sie unter ästhetischen Gesichtspunkten, nicht nach ökonomischen Dikat. Täglich aufs Neue beten sie zur Madonna des geheiligten Stilwandels und schlagen drei Kreuze vor dem Gesetz des Vaters. Denn eine runde Persönlichkeit, das weiss jedes Kind, lässt sich nur von ihrem Ende her denken. Lebende Tote aber wollen sie nicht sein.
Kontingenz bestimmt ihr Leben. Flexibilität macht sie lebendig. Ihr Reichtum liegt in den Optionen. Ihr Bewusstsein lässt sie sich nicht von einem Sein bestimmen. Da könnte ja jeder kommen.
Marktversagen

Witten-Herdecke am 14. Juli 2009
Requiem für ein Millionengrab
(Helios ante portas)
Eine gänzlich neue Perspektive eröffnet sich dem, der Bildungsstätten nicht mehr als Studierender oder als Vertreter der Interessen Studierender betritt sondern als Vertreter der Interessen ihrer Eigner. Seien es Private oder Öffentliche. Denn hier entsteht ein neuer Markt. Mit allem was dazugehört: viel, sehr viel heißer Luft, jeder Menge Gaunereien und dem leisen Zirpen von Heuschrecken. So nehmen wir denn Platz an den Senatstischen, freundlich miteinander scherzend, unter dem Tisch gegeneinander die Messer wetzend und dabei stets die Schweissperlen auf der Stirn der hilflos unserem Treiben zuschauenden Kanzler fest im Blick. Ein illustrer Kreis aus Übernahmekandidaten, weißen Rittern und Finanzinvestoren. Bildung made in Germany – ein teures Gut, derzeit gerade billig zu haben.
Der Hochmut aber, mit dem uns Unternehmerfamilien weiss machen wollten, sie könnten dieses Gut besser bewirtschaften als die öffentliche Hand, stand nur vor dem tiefen Fall. Die “Modelluniversität” wurde ein Pflegefall. Und bettelt um staatliche Stütze.
An den “Reformuniversitäten”, gleich nebenan, hat man es unterdessen geschafft, die strukturelle Abhängigkeit der Bildungserfolge von der sozialen Herkunft in Beton zu gießen. Zwölf Stockwerke hoch. Gratulation! Der Preis geht an die deutsche Sozialdemokratie. Die Bildungspolitik sozialdemokratischer Parteien hat sich darin beschränkt, das herrschende Paradigma, die Kultur wilhelminischen Bildungskitsches imitiern bzw. zugänglicher machen zu wollen. Auch auf Du und Du mit den Klassikern zu sprechen und auch die fünfbändige Kant-Ausgabe in der Wohnzimmerschrankwand zu wissen. Das ist ihr historischer Irrtum. Einen eigenen Bildungsbegriff hat sie nie entwickelt. Das ist ihr Versagen.
“Digitale Linke”… What difference does it make?
Heavy words are so lightly thrown… Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einer digitalen Linken und, sagen wir, einer Retro-, Neo- oder sonstigen Linken? What difference does it make? Oder, na gut, meinetwegen, sagen wir es weniger poppig sondern wissenschaftlich: Was macht die differentia specifica einer digitalen Linken denn genau aus?
Die Rede von einer digitalen Linken macht nur Sinn, wenn sie unser politisches Unterscheidungsvermögen schärft.
„Digitale Linke“ könnte beispielsweise ein Kandidat dafür sein, neu entstandene Maßverhältnisse des Politischen in einem angesichts ubiquitärer Kommunikationstechnologien und global gewordenem Kommunikationshorizont transformierten politischen Raum bescheibbar zu machen. In Ordnung. Dazu bräuchte es dann aber den Nachweis, dass sich in einem solchen lockeren Verbund anders Politisierte sammeln und andere Politiken präferiert werden als in den bekannten politischen Formationen. Ausschließen können sollte man auch tunlichst, dass hinter all dem selbstbesoffenen Techno-Geplapper wenig mehr als als eine uninformierte Wiederauflage von technologisch kostümierten Strategien der Gegenöffentlichkeit und „spezifisch“ engagierten Intellektuellen stecken.
Das es eine solche, neue „Formation“ geben könnte, dafür sprächen beispielsweise folgende Brüche und Verschiebungen gegenüber der historischen Linken:
1.Lebensstile [...]
2.Produktionsbedingungen [...]
3.Verständigungsverhältnisse [...]
4.Bildungswege [...]
The devil will find work for idle hands to do.
Antiquarische Moderne
Am 6. März 2000 schrieb Stefan Kühl , seinerzeit Mitarbeiter am Institut für Soziologie der LMU München, mit schwarzer Tinte ein paar Zeilen in ein Exemplar seines soeben erschienenen Buches “Das Regenmacher-Phänomen. Widersprüche und Aberglaube im Konzept der lernenden Organisation.”
In diesem Buch, heisst es da, stecke mehr reflexive Moderne, als man auf den ersten Blick vermuten würde.


Ulrich Beck, der Adressat der Widmung, scheint das auch auf den zweiten Blick anders gesehen zu haben. Das Buch gehört jetzt jedenfalls mir. Ein schönes, ungelesenes Exemplar. Erstanden in einem Münchener Antiquariat.
Mein erster Autograph. Und was für einer schöner!







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