Heute keine Konferenz

Der Blogschmarren beleidigt die Intelligenz des Publikums im leider üblichen Durchschnittsfall als genau das schlechte Besondere, das von der Banalität der Gesamtheit aller vorhandenen Ansichtssachen (“Die einen sagen so, die anderen so”) nicht zu unterscheiden ist.
Dietmar Dath
Was heisst “Digitale Linke” (1): Lebensstile
Die digitale Linke ist nicht weiter fraglos in ein (politisches) Milieu hineingewachsen. Ihren Zusammenhalt und ihre Organisationsfähigkeit bezieht sie nicht (länger) aus der Kuh- und Brutwärme lebensweltlicher Verstrickungen sondern aus den Stärken schwacher Bindungen. Die digitale Linke ist vom Stamme der Digital Natives. Ihr Ortsverein ist das globale Dorf. Ihr Parteibuch ist ein Weblog.
Ihr Selbstverständnis bildet sich in den flüchtigen Medien eines globalen Kommunikationszusammenhanges nicht in den Initiationsriten des eigenen Stammes. Ihre eigene, postkonventionelle Identität als digitale Linke setzt dabei das „linke“ Maß für die Integrierbarkeit sozialer Verbände. Dazu braucht es eine funktionierende Öffentlichkeit und ein deliberatives Rechtssystem. Keine krampfhaft unverkrampften, alkoholschwangeren Fanmeilen.
Die digitale Linke eint sich punktuell um Themen und Werte. Ein vereintes Wesen ist sie nicht. Die Pluralität der Lebenstile in ihren Reihen ist ihr eine Selbstverständlichkeit. Sie hat es nicht nötig, wie die widerwärtigen Vertreter der Enkelgeneration im Maßanzug proletarisches Sprechen als Clownsnummer zu inszenieren, nur um Kontinuitäten zu beschwören, die längst unterbrochen sind.
Die ihnen vertrauten familiären Beziehungen folgen dem Strickmuster des Patchworks. Lebensplanung verläuft zufällig. Ihre Lebensläufe streben nach Vollendung im Hier-und-Jetzt, nicht auf alle Ewigkeit. Das macht sie unberechenbar und unempfänglich für die Boni karrieristischen Kalküls. Einem Leben ohne Sorgen ziehen sie die permanente Sorge um sich vor. Die Textur ihres Daseins gestalten sie unter ästhetischen Gesichtspunkten, nicht nach ökonomischen Dikat. Täglich aufs Neue beten sie zur Madonna des geheiligten Stilwandels und schlagen drei Kreuze vor dem Gesetz des Vaters. Denn eine runde Persönlichkeit, das weiss jedes Kind, lässt sich nur von ihrem Ende her denken. Lebende Tote aber wollen sie nicht sein.
Kontingenz bestimmt ihr Leben. Flexibilität macht sie lebendig. Ihr Reichtum liegt in den Optionen. Ihr Bewusstsein lässt sie sich nicht von einem Sein bestimmen. Da könnte ja jeder kommen.
“Digitale Linke”… What difference does it make?
Heavy words are so lightly thrown… Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einer digitalen Linken und, sagen wir, einer Retro-, Neo- oder sonstigen Linken? What difference does it make? Oder, na gut, meinetwegen, sagen wir es weniger poppig sondern wissenschaftlich: Was macht die differentia specifica einer digitalen Linken denn genau aus?
Die Rede von einer digitalen Linken macht nur Sinn, wenn sie unser politisches Unterscheidungsvermögen schärft.
„Digitale Linke“ könnte beispielsweise ein Kandidat dafür sein, neu entstandene Maßverhältnisse des Politischen in einem angesichts ubiquitärer Kommunikationstechnologien und global gewordenem Kommunikationshorizont transformierten politischen Raum bescheibbar zu machen. In Ordnung. Dazu bräuchte es dann aber den Nachweis, dass sich in einem solchen lockeren Verbund anders Politisierte sammeln und andere Politiken präferiert werden als in den bekannten politischen Formationen. Ausschließen können sollte man auch tunlichst, dass hinter all dem selbstbesoffenen Techno-Geplapper wenig mehr als als eine uninformierte Wiederauflage von technologisch kostümierten Strategien der Gegenöffentlichkeit und „spezifisch“ engagierten Intellektuellen stecken.
Das es eine solche, neue „Formation“ geben könnte, dafür sprächen beispielsweise folgende Brüche und Verschiebungen gegenüber der historischen Linken:
1.Lebensstile [...]
2.Produktionsbedingungen [...]
3.Verständigungsverhältnisse [...]
4.Bildungswege [...]
The devil will find work for idle hands to do.






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