Marktversagen

Witten-Herdecke am 14. Juli 2009
Requiem für ein Millionengrab
(Helios ante portas)
Eine gänzlich neue Perspektive eröffnet sich dem, der Bildungsstätten nicht mehr als Studierender oder als Vertreter der Interessen Studierender betritt sondern als Vertreter der Interessen ihrer Eigner. Seien es Private oder Öffentliche. Denn hier entsteht ein neuer Markt. Mit allem was dazugehört: viel, sehr viel heißer Luft, jeder Menge Gaunereien und dem leisen Zirpen von Heuschrecken. So nehmen wir denn Platz an den Senatstischen, freundlich miteinander scherzend, unter dem Tisch gegeneinander die Messer wetzend und dabei stets die Schweissperlen auf der Stirn der hilflos unserem Treiben zuschauenden Kanzler fest im Blick. Ein illustrer Kreis aus Übernahmekandidaten, weißen Rittern und Finanzinvestoren. Bildung made in Germany – ein teures Gut, derzeit gerade billig zu haben.
Der Hochmut aber, mit dem uns Unternehmerfamilien weiss machen wollten, sie könnten dieses Gut besser bewirtschaften als die öffentliche Hand, stand nur vor dem tiefen Fall. Die “Modelluniversität” wurde ein Pflegefall. Und bettelt um staatliche Stütze.
An den “Reformuniversitäten”, gleich nebenan, hat man es unterdessen geschafft, die strukturelle Abhängigkeit der Bildungserfolge von der sozialen Herkunft in Beton zu gießen. Zwölf Stockwerke hoch. Gratulation! Der Preis geht an die deutsche Sozialdemokratie. Die Bildungspolitik sozialdemokratischer Parteien hat sich darin beschränkt, das herrschende Paradigma, die Kultur wilhelminischen Bildungskitsches imitiern bzw. zugänglicher machen zu wollen. Auch auf Du und Du mit den Klassikern zu sprechen und auch die fünfbändige Kant-Ausgabe in der Wohnzimmerschrankwand zu wissen. Das ist ihr historischer Irrtum. Einen eigenen Bildungsbegriff hat sie nie entwickelt. Das ist ihr Versagen.






Einen Kommentar schreiben